Wie hat das nationalsozialistische Regime den eigenen Heimatort verändert? Welches Schicksal hatten diejenigen, die nicht der menschenverachtenden Ideologie der Nazis entsprachen? Dieser und weiterer Fragen gingen die vier Klassen der Berufsfachschule pädagogische Erprobung (BFPE) der HWS gemeinsam mit ihren Gemeinschaftskundelehrern und der Schulleitung im Rahmen zweier Exkursionen nach.
Zunächst erfuhren die Schüler in einem historischen Stadtrundgang etwas über das Schicksal jüdischer Bewohner Buchens. Schulleiter Christof Kieser leitete diese Führung persönlich. Ein Schwerpunkt war das Leben des Buchener Mundartdichters Jacob Mayer, vor dessen Geburts- und Wohnhaus in der Marktstraße 15 ein längerer Stopp erfolgte. Mayers Schicksal kann dabei stellvertretend für das von Vielen gelten: Er selbst war ein aktiver Vereinsmensch, insbesondere beim Faschingsverein. Von ihm stammt auch das Gedicht „Kerl wach uff!“, welches den Text des „Buchener Narrenmarsch“ stellt. Ein anderes Gedicht nimmt Bezug auf die heute in Buchen unverzichtbare Narrenfigur des „Bleckers“. Doch nach der Machtergreifung wurde Mayer aus dem öffentlichen Leben ausgeschlossen und verarmte und vereinsamte schnell. Er nahm sich schließlich 1939 in seinem Wohnhaus das Leben.
Auch ein Besuch der ehemaligen Synagoge in der Vorstadtstraße 35 stand auf dem Programm. Deren Reste wurden von den Schülern besucht und die Geschichte des Gebäudes von Herrn Kieser erzählt.

Neben den Eindrücken aus dem Heimat- oder zumindest Nachbarort Buchen unternahmen die Schüler auch eine Exkursion in eines der berüchtigten Konzentrationslager, dem KZ Natzweiler-Strutthof. Das im Elsass gelegene Arbeitslager hatte mit knapp 40% Mortalitätsrate eine der höchsten aller KZ, die nicht als Vernichtungslager vorgesehen waren. Und obwohl das Lager recht weit von Buchen entfernt liegt, so war es doch näher als man glaubte: Zwei der vielen Nebenlager sind in Neckarelz und Neckargerach-Guttenbach zu finden.


Bei der Exkursion wurde den Schülern anschaulich das Schicksal derer gezeigt, die hier Gefangene waren. Besonders die unmenschlichen Bedingungen, die Krankheiten förderten, konnten anhand der noch heute bestehenden Lagerinfrastruktur leicht nachvollzogen werden. Auch das raue Klima des Ortes – vor dem Bau des Konzentrationslagers war Strutthof als Wintersport- und Ferienort für Skifahrer bekannt gewesen – trug zur Anschaulichkeit bei. Der Besuchstag verschärfte die Eindrücke noch einmal, stürmte und regnete es doch recht heftig.

Auch bei diesen Bedingungen mussten die Häftlinge bei den Appellen oft stundenlang, nur mit ihrer pyjamaartigen Häftlingskleidung bekleidet, stehen. Viele Schüler konnten sich angesichts des schlechten Wetters am Besuchstag nun gut vorstellen, wie menschenunwürdig diese Behandlung gewesen sein musste. Daher lautete auch der einhellige Tenor bei der Rückfahrt: Dieser Besuch hatte sich, trotz langer Anreise, gelohnt.