Zwei Referenten mit unterschiedlicher Biografie stellten am Donnerstag, den 16.04.2026 der Jahrgangsstufe 1 der Helene-Weber-Schule die Gefahren und Methoden der radikalen Rechten vor.
Der freie Journalist Timo Büchner kam in seinen Jugendjahren mit Neonazis in Kontakt und vor allem in Konflikt. Dies führte zu seinem Engagement gegen rechte Kreise. Kathrin Himmler kam quasi über die Familie in den Kampf gegen rechtes Gedankengut – sie ist die Großnichte von Heinrich Himmler, dem Reichsführer der Schutzstaffel (SS) im Dritten Reich.
Beide informierten im Rahmen der „Herz statt Hetze“ -Schulthemenwochen in ihrem Vortrag über Gefahren für unsere pluralistische Demokratie durch rechte Kreise. Der Raptext des nationalistischen Rappers „Kavalier“ gibt die Richtung vor: „Werde einer von uns“. Die Neue Rechte versucht, die Jugendlichen mit Identitätsangeboten zu sich zu locken. Ob „Bootcamp“ der „Nationalrevolutionären Jugend“ in Bad Mergentheim, Wanderangebote der „Identitären Bewegung“ in Südbayern oder einfach nur Merchandising und Musik: Durch verschiedenste Methoden versuchen radikale Rechte, bei Jugendlichen Gehör zu finden. Besonders beliebt ist es, einen Mix aus „Abenteuer und Gemeinschaft“ anzubieten, denn im Mittelpunkt steht immer, ein Zusammengehörigkeitsgefühl zu schaffen, „jemand zu sein“. Gleichzeitig werden die Grenzen der Zugehörigkeit klar umrissen: Ausländer, Juden, Muslime, also alle in den Augen der Bewegungen „Nicht-Normalen“, sind kein Teil davon. Wo das Wir- Gefühl nichts bewirkt, wird mit Einschüchterung und Drill gearbeitet. Am Ende steht dann auch bei all diesen Bewegungen, wie sie sich auch nennen mögen, die Beseitigung unserer freiheitlich-pluralistischen Demokratie. Das große Vorbild ist hierbei natürlich das sogenannte Dritte Reich.
Über das Wirken ihrer Familie berichtete Kathrin Himmler. Sie zeigte die Verführung, die auf die Menschen gewirkt hatte, auf. Eine Schlüsselrolle bei den Zielen der Neuen Rechten kommt Frauen zu. Auch wenn diese eine Minderheit innerhalb der rechten Kreise bilden, so sind sie zur Rekrutierung und als Aushängeschilder unverzichtbar. Himmler und Büchner stellten den Schülerinnen und Schülern einmal die 2019 gegründete Frauengruppe „Lukreta“ vor und die erst 15-jährige Influencerin Lea, die als „MädelmitMeinung“ über ihren Schulalltag und die in ihren Augen verbreitete linksgrüne Agenda berichtet. Dabei zeigt sich ein wiederkehrendes Motiv der Rechten, sich als Opfer und Verfolgte darzustellen, die ihre freie Meinung in der Demokratie nicht äußern dürften – eine Lüge, wie die beiden Referenten betonten. Denn Hass und Hetze sind nicht von der grundrechtlichen freien Meinungsäußerung geschützt, da sie eben gar keine Meinungsäußerung seien. Was aber kann man im Alltag gegen solchen Hass tun, fragten beide daraufhin die Zuhörerschaft. Von aufklären und Gesprächsangebote machen, bis hin zu Gegenmaßnahmen wie eigene Videos posten und fremde Videos kritisch zu überprüfen und schlussendlich solche Aussagen anzuzeigen wurden alle möglichen Formen diskutiert.
Eine Schlüsselrolle sah Timo Büchner darin, mit offenen Augen durch die eigene Region zu laufen, denn an vielen Bushaltestellen würden rechte Sticker kleben. „Das kann man überkleben oder zur Anzeige bringen“, erklärte er. Und damit die Schüler hier – falls sie es wünschen – tätig werden können, konnten sie sich Gegensticker und eine Übersicht über die gängigen nationalistischen Codes mitnehmen. Auch kam die Frage auf, wie man mit solchen Menschen umgehen könnte, bsp. In Wohngruppen. Hier empfahl Büchner Beratungsstellen aufzusuchen. Am Ende erinnerte Gemeinschaftskundelehrer Patrick Held die Schüler daran, dass sie am stärksten seien, wenn sie als Gemeinschaft auftreten würden. „Die Mehrheit der Gesellschaft zu sein, das reklamieren die Rechten für sich, aber das sind sie nicht. Und wenn ihr ihnen das zeigt, dann führt ihr deren ganzes System auch ad absurdum.“
